Eines der größten ungelösten Rätsel des legendären Grand Canyon ist das mysteriöse Verschwinden von Glen und Bessie Hyde. Dieses frisch verheiratete Paar mit einem großen Abenteuerdrang, verschwand 1928 auf ihrer Flitterwochenreise, während sie die tückischen Stromschnellen des Colorado River im Grand Canyon bezwingen wollten. Hätten sie diese Herausforderung bestanden, wäre Bessie Hyde als erste Frau in die Geschichte eingegangen, die den Fluss durch den Grand Canyon bewältigt hätte. Denn bis dato hatten nur 45 Männer es geschafft, den Grand Canyon in seiner gesamten Länge mit einem Boot zu durchqueren. Doch wer war dieses abenteuerlustige Pärchen, das seinen Honeymoon unbedingt auf einer Rafting-Tour durch den Grand Canyon verbringen wollte? Glen Rollin Hyde wurde am 9. Dezember 1898 in Spokane im US-Bundesstaat Washington geboren. Später nach einem kurzen Aufenthalt in Kanada zog seine Familie nach Twin Falls im Bundesstaat Idaho. Er besuchte während der 1920er Jahre die University of Idaho in Moscow, ließ sich aber als Landwirt nieder. Schon während seiner Zeit in Kanada hatte er seine Leidenschaft für den Wassersport entdeckt. Anno 1919 ging er mit seinem Freund Jess Nebeker für 6 Monate auf eine große Expedition auf dem Peace River. 1922 lernte Glen den erfahrenen Bootsführer Harry „Cap“ Guleke kennen, der ihm alles über den Bau von Gabarren, flachen Holzbooten mit zwei Steuerrudern an Heck und Bug, erklärte. Nach diesem Treffen mit Guleke wollte Glen ein solches Boot bauen, mit dem er vom Salmon River zu Pazifik fuhr. Diesen Traum erfüllte er sich 1926, als er mit seiner Schwester Jeanne den Snake und Salmon River bis zur Mündung im Pazifik fuhr. Bessie Louise Haley, die am 29. Dezember 1905 geboren wurde, kam aus Parkersburg im Bundesstaat West Virginia. Nach ihrem High School Abschluss zog sie nach Kalifornien und schrieb sich an der California School of Fine Art in San Francisco ein, wo sie einen unveröffentlichten Gedichtband mit dem Titel „Wandering Leaves“ verfasste. Sie heiratete am 5. Mai 1926 ihre Jugendliebe Earl Helmick. Ihre Ehe war turbulent und Bessie beschloss im Februar 1927 mit einem Passagierschiff nach Los Angeles zu reisen, wo sie Glen traf. Für beide war es Liebe auf den ersten Blick. Doch Bessies Ehemann weigerte sich einer Scheidung zuzustimmen, weshalb Bessie nach Elko im Bundesstaat Nevada zog. In diesem Bundesstaat waren Scheidungen ohne Einwilligung des Ehepartners möglich. Nur einen Tag nach der offiziellen Scheidung von Bessie heirateten beide am 12. April 1928 in Twin Falls. Bereits im Oktober desselben Jahres begab sich das Paar auf eine abenteuerliche Hochzeitsreise, die sie vom Green River in Utah bis zum Colorado River im Grand Canyon führte. Glen, der zuvor bereits Erfahrung mit dem Flussfahren gesammelt hatte, baute innerhalb von 2 Tage und mit 50 Dollar für diese Reise eine 2 Tonnen schwere und 7 Meter lange Gabarre , die er „Rain-in-the-Face“ nannte. Ihr Ziel war es, den bestehenden Geschwindigkeitsrekord zu brechen und gleichzeitig Bessie als Pionierin in die Geschichtsbücher zu bringen. Das Ehepaar versprach sich dadurch lukrative Buchverträge, Vertragsreisen und mächtig viel Ruhm. Die Hydes starteten ihre Reise am 20. Oktober 1928, zwar mit viel Vorräten, Zeitschriften und Matratzen, aber ohne Schwimmwesten. Zunächst ging alles nach Plan, und sie machten gute Fortschritte. Während Bessie die Reise in ihrem Tagebuch dokumentierte, schoss Glen eifrig Fotos von ihrem Törn mit seiner Kamera. Am 14. November machten sie ihren ersten großen Zwischenstopp bei Flussmeile 90 im Bright Angel Camp, wo sie abends im noblen Hotel El Tovar dinierten. Um vom Boot zum Hotel zu gelangen, mussten sie vom Bright Angel Trail bis zum Südrand des Grand Canyons wandern. Die Strecke war nicht nur 15 Kilometer lang, sondern sie mussten auch über 1.335 Höhen Sie nutzen den nächsten Tag nicht nur dazu den berühmten Fotografen Emery Kolb zu besuchen, der ein Fotos des Paares machte, sondern auch um Proviant zu kaufen, den sie mithilfe von Maultieren zu ihrem Boot transportierten. Der populäre Fotograf Emery Kolb hatte um die Jahrhundertwende zusammen mit seinem Bruder Ellsworth ein Grundstück am oberen Pfadende gepachtet, wo sie Touristen fotografierten, was sich damals als wahre Goldgrube entpuppte. Im Camp trafen Bessie und Glen zudem zufällig auf einen Reporter der „Denver Post“, der so angetan von ihrer Abenteuerreise war, dass er einen Artikel über beide verfasste. Diese Geschichte veröffentlichte die Nachrichtenagentur Associated Press, die sie landesweit an Zeitungen verkaufte. Denn das Interesse an Glen und Bessies abenteuerlichen Flitterwochen war enorm. Zu dieser Zeit trafen sie auch auf Adolph G. Sutro, einem guten Freund des Fotografen, der sie ein Stückchen des Weges in ihrem Boot bis Hermit Creek begleitete, wo er von Bord ging. Er war der Letzte der sie lebend sah, als sie sich unterhalb des Hermit Rapid auf den Fluss wagten. Als die Hydes am 6. Dezember 1928 nicht wie geplant in Needles im Bundesstaat Kalifornien ankamen, startete Glens Vater Rollin Hyde eine Suchaktion. Er beauftragte indianische Fährtentleser mit der Suche am Rande des Grand Canyons und bat den Kriegsminister Dwight Davis eine Luftsuche zu genehmigen, was dieser auch tat. Am 19. Dezember entdeckten die Militärflugzeuge den feststeckenden Lastenkahn der Hydes bei Meile 237 des Flusses. Dieser war intakt und mit allen Vorräten beladen, jedoch von seinen Insassen verlassen. Sofort machte sich Glens Vater zusammen mit den Kolb-Brüdern dorthin auf. Erst am Weihnachtsmorgen erreichten sie das Boot. Spuren am Flussufer deuteten darauf hin, dass die Hydes noch bis Meile 226 gekommen waren, bevor sie verschwanden. Ein Tagebucheintrag von Bessie beschrieb die Durchfahrt bei der Flussmeile 231, was darauf hindeutete, dass sie möglicherweise nahe der Flussmeile 232 verunglückten. Historiker vermuten, dass ihr Boot unter Wasser stehenden Felsen zum Opfer fiel, was in diesen Stromschnellen nicht ungewöhnlich ist. Der Tod der beiden bleibt bis heute ungeklärt, und ihre Geschichte hat sich im Laufe der Jahre mit zahlreichen Mythen und Legenden umwoben. Eine Frau auf einem Rafting-Trip im Jahr 1971 behauptete, die wahre Bessie Hyde zu sein und erzählte, sie habe ihren Mann getötet und sei aus dem Canyon geflohen. Auch Georgie Clark, eine bekannte Flussführerin, geriet nach ihrem Tod 1992 ins Gespräch, da Dokumente und eine Waffe gefunden wurden, die sie möglicherweise mit Bessie Hyde in Verbindung hätten bringen können. Doch keine dieser Behauptungen konnte bestätigt werden. Eine weitere interessante Wendung nahm die Geschichte, als 1976 menschliche Überreste im Grundstück von Emery Kolb gefunden wurden. Nach eingehender Untersuchung stellte sich heraus, dass es sich nicht um Glen Hyde handelte. Der Tote war viel jünger und erst Jahre nach dem Verschwinden der Hydes gestorben. Eine realistische Rekonstruktion des möglichen Unfallhergangs lieferte der Autor und erfahrene Flussführer Brad Dimock. Er baute die Gabarre der Hydes nach und wiederholte ihre Reise. Dabei erfuhr Dimock am eigenen Leib, welche extremen Herausforderungen das Paar wohl gemeistert haben muss. Seine Experimente und die detaillierte Kenntnis des Flusses überzeugten ihn, dass die Hydes wahrscheinlich bei Flussmeile 232 verunglückten – bekannt heute als Killer Fang Falls. Dimocks Theorie weist auf die extreme Schwierigkeit der Steuerung der schweren Gabarre in den gefährlichen Stromschnellen hin. Die starke Strömung, unvorhersehbare Wellen und herausragende Felsen hätten leicht zu einem fatalen Unfall führen können. Wenn die Hydes ins Wasser gefallen sind, hätten sie sich in der eisigen Strömung nicht lange über Wasser halten können. Die Hypothese erscheint schlüssig, obwohl keine Leichen gefunden wurden. Heute bleibt die Landschaft des Grand Canyon ebenso beeindruckend wie damals, und Rafting-Touren erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit, auch wenn moderne Sicherheitsmaßnahmen und bessere Ausrüstung die Gefahren verringern. Die Geschichte von Glen und Bessie Hyde aber bleibt ein fesselndes Mysterium, das die Menschen auch weiterhin beschäftigt und fasziniert.

Von Isabella Mueller

Mein Name ist Isabella Mueller, und ich lade euch ein, die kreativen Universen zu erkunden, die ich durch meine Blogs erschaffe. Seit 2020 widme ich meine Leidenschaft dem Erzählen fesselnder Geschichten, die mysteriös, historisch und emotional sind. Es ist mein Ziel, nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen und den Entdeckergeist in jedem von uns zu wecken. Auf isabellas.blog kombiniert sich die Spannung von Kriminalgeschichten mit aufregenden Reisetipps. Stellt euch vor, ihr wandert durch malerische Straßen einer neuen Stadt und ergründet dabei dunkle Geheimnisse, die in den Schatten ihrer Geschichte verborgen liegen. Jedes Stück auf meinem Blog ist so konzipiert, dass es das Herz eines jeden Krimi-Fans höherschlagen lässt und gleichzeitig die Neugier auf unbekannte Orte weckt. Hier seid ihr eingeladen, den Nervenkitzel des Unbekannten und die Schönheit unserer Welt zu erleben – eine perfekte Kombination für alle Abenteuerlustigen! In meinem zweiten Blog, akteq.com, dreht sich alles um wahre, ungelöste Kriminalgeschichten. Unter dem Motto „akteQ: Cold Case Stories“ enthülle ich die unheimlichen und oft tragischen Geschichten hinter ungelösten Fällen. Gemeinsam können wir die Rätsel der Vergangenheit erforschen und tief in die menschliche Psyche eintauchen. Was geschah wirklich? Wer waren die Menschen hinter diesen mysteriösen Ereignissen? In diesem Blog lade ich euch ein, Fragen zu stellen und die Antworten zu finden, die oft im Dunkeln liegen. Ein weiteres spannendes Kapitel meiner Bloggerlaufbahn findet ihr auf thecastles.org. Hier beginne ich eine zauberhafte Reise durch die Geschichte der Burgen und Schlösser. Haltet inne, während ihr die Geschichten entdeckt, die in den Mauern dieser alten Gemäuer verborgen sind. „Explore the enchantment, discover the history – your journey begins at thecastles.org!“ Diese Worte sind mehr als nur ein Slogan; sie sind eine Einladung an alle, die Geschichte und Magie miteinander verbinden möchten. Lasst euch von den beeindruckenden Erzählungen und der Faszination vergangener Epochen inspirieren! Aber das ist noch lange nicht alles! Auf kripo.org erwartet euch ein umfassendes Onlinemagazin für echte Kriminalfälle. Taucht ein in die Welt des Verbrechens, erfahrt von den realen Geschichten hinter den Schlagzeilen und den Menschen, die sich mit der Aufklärung beschäftigen. Mit criminal.energy entführe ich euch in die packenden Erzählungen wahrer Verbrechen, in denen Bösewichte gejagt, gefasst und verurteilt werden. Die Suche nach Gerechtigkeit und die Konfrontation mit dem Unbekannten stehen im Mittelpunkt. Und für all jene, die die Welt bereisen wollen, bietet wanderlust.plus die Möglichkeit, die Welt, ein Abenteuer nach dem anderen, zu erkunden. Hier geht es um die Liebe zur Erkundung und die Freude, neue Kulturen und Landschaften zu entdecken. Lasst uns gemeinsam die Geschichten entdecken, die die Welt um uns herum prägen. Ich freue mich darauf, euch auf dieser aufregenden Reise zu begleiten und hoffe, dass ihr viele unvergessliche Momente mit mir teilen werdet!

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