Als eine der bizarrsten Sekten in der kanadischen Geschichte gelten die Ant Hill Kids, dessen Anführer der selbst ernannte Prophet Roch Thériault war. Seine düstere Herrschaft begann 1977 mit der Gründung der Weltuntergangssekte Ant Hill Kids, die auf den Glaubensvorstellungen der Siebenten-Tags-Adventisten basierte, aus der Thériault im April 1978 aufgrund seiner abstrusen Ideen ausgeschlossen wurde. Thériaults Anhänger waren ihm komplett hörig, die ihr Hab und Gut verkauften, um mit ihm in einer abgeschiedenen Gegend in Québec zu leben. Thériault kontrollierte jeden Aspekt des Lebens seiner Anhänger, die unter unhygienischen Bedingungen und ohne jegliche medizinische Versorgung leben mussten. Falls sie dagegen rebellierten, folgten harte Bestrafungen. Roch Thériault, der sich als Reinkarnation von Moses sah, hielt sich einen Harem von 9 Frauen und zeugte 26 Kinder als religiöse Pflicht. Thériaults Anhänger lebten unter seiner totalitären Herrschaft in einer Kommune und waren schwerem körperlichen und sexuellen Missbrauch ausgesetzt. Doch wer war dieser Sadist, der sich selbst als Messias sah? Roch Thériault erblickte am 16. Mai 1947 als eines von sieben Kindern von Hyacinthe und Pierette Thériault in Saint-Épiphane das Licht der Welt. Er wuchs in einer armen französisch-kanadischen und streng katholischen Familie auf. Im Alter von 6 Jahren zog Thériault Familie in den beschaulichen Ort Thetford Mine. Seine Mutter wollte, dass er Priester wird, doch er war bei anderen Familienmitgliedern aufgrund seiner Herkunft unbeliebt, da er das Ergebnis einer Vergewaltigung seiner Mutter durch seinen Großvater war. Den größten Teil seiner Kindheit lang wurde Thériault von seinem Stiefvater regelmäßig geschlagen, und seine Mutter war zu verängstigt, um ihn zu schützen. Dies isolierte ihn weiter von seiner Familie. Er galt als sehr intelligent, jedoch beendet er die Schule nach der siebten Klasse. Er lebte viele Jahre in Obdachlosenheimen in Québec, wo er verschiedene Gelegenheitsjobs annahm, bevor er schließlich ein kleines Holzverarbeitungsunternehmen gründete. Im November 1967 ging er mit Francine Grenier den Bund fürs Leben ein. Das Paar bekam zwei Söhne und zog nach Montréal, wo sich Thériault aufgrund von Magengeschwüren einer Operation unterziehen musste. Danach wurde sein Interesse an der menschlichen Anatomie geweckt. Anno 1970 zog die kleine Familie zurück nach Thetford Mine. Zu dieser Zeit begann Thériault regelmäßig Alkohol zu konsumieren und mit anderen Frauen Sex zu haben. In seinen Zwanzigern konvertierte er vom Katholizismus zur Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und begann, deren ganzheitliche Lebensweise zu praktizieren, die eine gesunde Lebensweise ohne ungesunde Lebensmittel und Tabak förderte. Thériault hielt sich zunächst strikt daran und verzichtete sogar auf Alkohol. In dieser Zeit scharrten sich vornehmlich junge Frauen um den charismatischen Thériault, der mit seinen langen braunen Locken und Vollbart tatsächlich einem Propheten aus der Bibel glich. Thériault war überzeugt, dass das Ende der Welt bevorstand und durch einen Krieg zwischen Gut und Böse ausgelöst würde. Die Gründung der Sekte hatte zum Ziel, eine Kommune zu schaffen, in der die Menschen seinen motivierenden Reden zuhören, in Einheit und Gleichheit leben und frei von Sünde sein konnten. Er verbot der Gruppe den Kontakt zu ihren Familien und der Außenwelt. Im April 1978 wurde Thériault aus der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ausgeschlossen, da dieser immer düstere Ideen entwickelte. Darüber hinaus wuchs Thériaults Angst vor dem Weltuntergang und er behauptete, Gott habe ihn vor einem Ende am 19. Februar 1979 gewarnt. Die Kommune zog daraufhin zu einem Ort namens „Ewiger Berg“ in Hope, einem abgelegenen Teil der Gaspé-Halbinsel, wo Thériault behauptete, sie könnten alle gerettet werden. Dort ließ Thériault die Kommune ihre Stadt bauen, während er entspannte und sie mit Ameisen verglich, die in einem Ameisenhügel emsig arbeiten und die Anweisungen ihres Anführers ohne Widerworte befolgen, daher der Name Ant Hill Kids. Doch als der besagte Tag kam und der Weltuntergang ausblieb, begründete Thériault dies damit, dass die Zeit hier und im Himmel unterschiedlich sei. Je länger die Sekte bestand, desto diktatorischer und irrationaler wurde Thériaults Verhalten, der begann immer mehr Alkohol zu konsumieren. Mitglieder durften nicht miteinander sprechen, wenn er nicht anwesend war, noch durften sie ohne seine Erlaubnis Sex miteinander haben. Thériault benutzte sein Charisma, um seine zunehmend missbräuchlichen und wahnhaften Handlungen zu vertuschen, und keiner seiner Anhänger wagte es, seine Entscheidungen anzuzweifeln oder ihn für den körperlichen, geistigen oder emotionalen Schaden verantwortlich zu machen. Thériault begann, Anhängern, die er als abschweifend betrachtete, Bestrafungen aufzuerlegen, indem er sie überwachte und behauptete, Gott habe ihm verraten, was sie getan hätten. Wer die Kommune verlassen wollte, wurde von Thériault geschlagen oder schlimmeren Bestrafungen unterzogen. Nach den körperlichen und seelischen Misshandlungen waren die Mitgleider so gebrochen, dass sie die Sekte nicht mehr verlassen wollten. Zudem hatte Thériault mit allen weiblichen Mitgliedern Sex, um dadurch die Zahl seiner Anhänger zu erhöhen. Alle Mitglieder mussten Tuniken tragen und erhielten biblische Namen. Thériault sah sich als Wunderheiler, der im März 1978 mit der Behandlung der 38 Jahre alten Geraldine Gagné Auclair begann, die an Leukämie erkrankt war. Ihr Ehemann hatte Thériault konsultiert, der fest davon überzeugt war, dass Thériault seine Ehefrau retten könne. Thériault behandelte Geraldine mit einer Diät aus Bio-Lebensmitteln und Traubensaft, die kurz darauf starb. Ihren Tod vermarktete Thériault aber als Wiederauferstehungs-Mythos, da diese erneut vom Tod erwacht war, als er ihre Stirn geküsst hatte. Doch Gott wollte Geraldine, weshalb er nicht in Gottes Plan eingreifen wollte. Im Jahr 1981 kam es zu einem weiteren verhängnisvollen Ereignis mit Todesfall. Es war der 23. März als Thériault ein Fest veranstaltete. Der 23 Jahre alte Guy Veer, ein neues Mitglied der Sekte, der psychisch krank war, sollte während des Festes auf die Kinder aufpassen. Als der 2 Jahre alte Samuel Giguère unentwegt weinte, schlug Guy so heftig den Säugling, dass dieser ins Koma fiel. Thériault wurde gerufen, der glaubte, dass eine Bescheidung den Jungen retten würde. Er gab ihm Alkohol und operierte den Jungen, der am nächsten Morgen tot war. Thériault befand Guy für den Tod an Samuel für schuldig, der bestraft werden musste, weshalb ein Schauprozess veranstaltet wurde. Doch die Mitglieder sprachen den psychisch kranken Guy frei. Dieses Urteil gefiel Thériault nicht, der Guy daraufhin kastrierte. Guy fühlte sich zunehmend unwohl in der Sekte, da er die Rolle des Prügelknaben eingenommen hatte, weshalb er im November 1981 floh. Er alarmierte die Polizei von dem Mord an Samuel, die daraufhin mehre Sektenmitglieder verhaftete. Nach einem 9-monatigen Prozess wurde Thériault zu 2 Jahren Haft wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, die er im Orsainville-Gefängniss in Québec verbüßte. Nach seiner Entlassung 1984 und deutlich weniger Mitglieder zog die Sekte in die Gemeinde Somerville unweit des Burnt River, um dort einen Neuanfang zu wagen. Doch Thériault verfiel wieder dem Alkohol, dessen Strafen immer extremer wurden, darunter das Brechen von Gliedmaßen seiner Anhänger mit Vorschlaghämmern, das Sitzen auf brennenden Öfen, das Schießen aufeinander und das Essen von toten Mäusen und Fäkalien. Eine Anhängerin schnitt einem anderen Mitglied mit Drahtschneidern die Zehen ab, um so ihre Loyalität gegenüber Thériault zu beweisen. Auch die Kinder der Sekte wurden schwer missbraucht. Da der Staat die Ant Hill Kids als Institution ansah, erhielten diese keine Sozialleistungen mehr, weshalb die Sekte nun von Thériault auf Diebestour geschickt wurde, um deren Lebensunterhalt zu sichern. Wer nicht genug erbeutete, erhielt eine dementsprechende Züchtigung. Thériault war ein absoluter Sadist, der es liebte, seine Mitglieder zu demütigen und diese absolut unter seiner Kontrolle zu haben. Anno 1987 befreiten Sozialarbeiter 17 Kinder aus den Fängen der Sekte. Dann kam es 1989 zu einem tragischen Ereignis, der später der Auslöser für die Auflösung der Sekte sein sollte. Solange Boilard, die Lieblingsfrau von Thériault, klagte über Magenschmerzen, woraufhin Thériault sie einer groben Darmoperation ohne Betäubung unterzog. Er verabreichte ihr einen Einlauf, schlug ihr immer wieder auf den Bauch und führte einen Schlauch in ihren Hals ein, den die anderen aufblasen sollten. Dann schnitt er ihr mit einem Messer ihren Bauch auf und riss mit seinen bloßen Händen Teile ihres Darms heraus. Anschließend musste die Anhängerin Gabrielle Lavallée, eine gelernte Krankenschwester, diese mit Nadel und Faden zunähen. Nach dieser Tortur war Solange sogar im Stande auf Anweisung von Thériault warme und kalte Bäder zu nehmen. Als Solange Boilard am nächsten Tag unter unvorstellbaren Schmerzen starb, ließ Thériault sie zunächst im Wald begraben. Doch kurz danach ließ er sie wieder exhumieren, um sie von den Toten auferstehen zu lassen. Er bohrte dazu ein Loch in ihren Schädel, in das er dann ejakulierte und mit ihrer Wiederauferstehung dank seiner Wunderkräfte prahlte. Danach mussten dies andere männliche Anhänger ebenfalls tun. Doch Solange Boilard konnte nicht von Thériault zum Leben erweckt werden. Als er dies erkannte, entfernte er ihr eine Rippe, die er fortan um seinen Hals trug. Alles kam ans Licht, als Gabrielle Lavallée die Flucht gelang. Gabrielle Lavallée wurde in den 1980er Jahren mehrfach körperlich schwer verletzt. So erlitt sie an ihren Genitalien schwere Verbrennungen durch Schweißbrenner, eine Injektionsnadel brach in ihrem Rücken und ihr wurden 8 gesunde Zähne gewaltsam gezogen. Sie hielt die körperlichen Züchtigungen und den sexuellen Missbrauch nicht mehr aus und unternahm von November 1988 bis Juli 1989 vier Fluchtversuche, kehrte aber jedes Mal wieder zur Sekte zurück. Bereits 1984 starb ihre neugeborene Tochter Eleazar in der Kälte, um diese vor den Misshandlungen zu bewahren. Die Bestrafungen sah Thériault als Art Reinigungsrituale an, um die Mitglieder von ihren Sünden zu befreien und ihnen den Teufel auszutreiben. Am 26. Juli 1989 hatte Thériault wieder mehrere Wutanfälle, der stark alkoholisiert war. Er hatte sich in den Kopf gesetzt Gabrieles Hand zu untersuchen, als er plötzlich ein Messer in ihren Handrücken stieß. Das Messer ging durch die Hand in den Tisch, so dass sich Gabrielle nicht befreien konnte. Der 36 Jahre alte Jacques Giguere, die 32 Jahr alte Nicole Ruel und die 31 Jahre alte Chantal Labrie gesellten sich dazu, um Thériault zu helfen, Gabrielles rechten Arm zu amputieren. Mit einem Küchenmesser schnitt er Gabrielles Arm über mehrere Stunden bis auf den Knochen ab, bevor er diesen mit einem Fleischerbeil abhackte. Nach der Amputation ihres rechten Armes flüchtete Gabrielle in den Wald und erreichte tatsächlich eine Stadt, wo sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Dort erzählte sie von ihrem Martyrium. Nachdem die Behörden über die grauenvollen Details der Misshandlungen informiert wurden, fahndeten diese nach Thériault und den anderen drei Sektenmitgliedern, die sich auf der Flucht befanden. Nach sechs Wochen konnten diese verhaftet werden. Thériault erhielt wegen schwerer Körperverletzung an Gabrielle Lavallée 12 Jahre Haft. Darüber hinaus wurde er wegen dem vorsätzlichen Mord an Solange Boilard zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Im Jahr 2000 wurde Thériault in das Dorchester-Gefängnis in New Brunswick verlegt. Eine Bewährung wurde ihm 2002 verweigert. Außerdem untersagte der kanadische Strafvollzugsdienst ihm 2009 den Verkauf von seinen Kunstwerken über eine US-amerikanisches Auktionsplattform für True-Crime-Artikel, da Personen, die wegen Gewaltverbrechen verurteilt wurden, nicht von ihrer Bekanntheit profitieren sollten. Während Thériault seine Strafe im Dorchester-Gefängnis verbüßte, wurde er am 26. Februar 2011 von seinem Zellkameraden namens Matthew Gerrard MacDonalds mit einem Messer in den Hals getötet, der bereits wegen eines anderen Mordes eine lebenslange Haftstrafe verbüßte. MacDonalds gestand den Mord und händigte der Polizeiwache das Messer mit den Worten: „Dieses Stück Scheiße ist unten auf dem Schießplatz. Hier ist das Messer, ich habe ihn zerstückelt.“ aus. Thériaults schreckliches Erbe und die Geschichten der Ant Hill Kids bleiben ein düsteres Kapitel in der Geschichte Kanadas, der bis heute zu einem der berüchtigtsten Kriminellen des Landes zählt.
